Fünf weitere Regionen in Deutschland sind vom Robert-Koch-Institut (RKI) als Risikogebiete für die meist von Zecken übertragene Hirnentzündung Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) eingestuft worden. Darunter erstmals mit der Stadt Dessau-Roßlau auch ein Gebiet in Sachsen Anhalt. Insgesamt gelten aktuell 169 Landkreise als FSME-Risikogebiete.

Bei den neuen Risikogebieten handelt es sich um: Landkreis Dillingen an der Donau (Bayern), Landkreis Weimarer Land (Thüringen), Landkreis Fulda (Hessen), Landkreis Mittelsachsen (Sachsen) und die kreisfreie Stadt Dessau-Roßlau (Sachsen Anhalt).

Die Einstufung als Risikogebiet erfolgt auf Basis von Erkrankungsdaten der letzten Jahre. Zwar ist die Zahl der Erkrankten im Vergleich zur deutschen Bevölkerung vergleichsweise gering, doch wurde 2020 ein erheblicher Anstieg der Infektionen festgestellt. Demnach wurden im vergangenen Jahr 704 FSME-Erkrankungen gemeldet. Das ist Rekord seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001. Im Vorjahr hatte die Zahl noch bei 445 gelegen. Die Ursache des plötzlichen Infektionsanstiegs werde laut RKI untersucht, könnte aber möglicherweise mit dem veränderten Freizeitverhalten während der Corona-Pandemie zusammenhängen.

Leider ist eine FSME-Erkrankung nicht die einzige Gefahr, die für den Menschen vom „gemeinen Holzbock“ ausgeht, wie die Zecke in der Fachsprache genannt wird:

  • Zum einen die von Bakterien übertragene Lyme-Borreliose, mit der sich etwa 5% der gestochenen Personen infizieren. Dass die Infektionsrate so niedrig ist, obwohl die Mehrheit der Zecken die Erreger in sich trägt, ist vor allem auf die lange Übertragungszeit zurückzuführen. Denn wer Zecken innerhalb der ersten 12 Stunden nach dem Stich entfernt, minimiert das Risiko einer Infektion. Das liegt daran, dass die sogenannten Borellien im Darm der Zecke leben und zwischen 12 und 30 Stunden benötigen, um zu den Speicheldrüsen zu gelangen. Zu den ersten Symptomen einer Lyme Borreliose gehören unter anderem ein auffällig roter Ring um die Einstichstelle, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Fieber. Spätfolgen können Gelenk-, Herzmuskel und Nervenentzündungen sein. Wird die Borreliose rechtzeitig entdeckt, lässt sie sich mit Antibiotika behandeln. Eine vorbeugende Impfung gegen die Bakterien gibt es nicht.
  • Deutlich gefährlicher ist aber die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Glücklicherweise tragen laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts nur 3,4% aller Zecken dieses Virus in sich. Ein Zeckenstich bedeutet also nicht gleich eine Infektion. Menschen, die in ausgeschriebenen Risikogebieten mit belasteten Zecken leben und Urlauber, die in solche Gebiete verreisen, können einer Infektion mit Schutzimpfungen vorbeugen. Eine Therapie gegen FSME gibt es nicht.  Das Virus macht sich zuerst durch grippeähnliche Symptome bemerkbar bis es Hirnhaut, Gehirn und Rückenmark befällt und dort schwere Entzündungen auslösen kann. Die Folgen reichen von Kopfschmerzen und Schwindel über Lähmungen bis schlimmstenfalls zum Tod des Erkrankten.

Wie lässt sich die Gefahr einer Infektion durch Zeckenstiche minimieren?

Die beste Vorsorge ist, den Kontakt mit Zecken konsequent zu vermeiden:

  • Tragen Sie bei Spaziergängen im Freien lange und helle Kleidung sowie festes Schuhwerk.
  • In der warmen Jahreszeit von März bis September sind Zecken besonders aktiv.
  • Meiden Sie Wege durch hohes Gras, Büsche oder Gestrüpp.
  • Benutzen Sie zum Liegen und Sitzen auf Wiesen und im Wald eine Unterlage.
  • Verwenden Sie Insektenschutzmittel wie Sprays und Creme und tragen Sie diese sorgfältig auf.
  • Suchen Sie den Körper nach Aufenthalten im Freien gewissenhaft auf Zecken ab.
  • Besonders gefährdete Risikogruppen sind unter anderem Hunde- und Katzenbesitzer, Reiter, Jäger, Förster und alle Menschen, die sich viel in der Natur und Freibädern aufhalten.

Zecken richtig entfernen

Wer im Internet nach Tipps für das Entfernen von Zecken sucht, der stößt mitunter auf abenteuerliche Anleitungen – vom Abbrennen der Tiere bis zum Beträufeln mit Öl oder Alkohol. Doch sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass solche Verfahren in der Regel mehr Schaden als Nutzen anrichten. Wie es richtig geht, haben wir für Sie nachfolgend zusammengetragen.

Hilfreiche Tipps zur Zeckenentfernung:

  • Zecken so schnell wie möglich entfernen.
    Bei Wanderungen Werkzeug zum Entfernen mitführen. je länger das Spinnentier den Saugvorgang durchführen kann, desto wahrscheinlicher ist die Übertragung von Krankheitserregern.
  • Langsam und kontrolliert abziehen.
    Werkzeuge nah an der Haut ansetzen, um ein Quetschen der Zecke zu vermeiden. Keine Panik, wenn sich das Tier nicht beim ersten Versuch lösen lässt.
    Info: Wie leicht oder schwer eine Zecke vom Körper zu lösen ist, hängt unter anderem von der Länge der Mundwerkzeuge des Tieres, der Anzahl der Widerhaken am Stechrüssel und der Menge des abgegebenen Klebstoffes ab. Ja, sie haben richtig gelesen. Eine Zecke sondert eine Art natürlichen Zement ab, mit dem sich der kleine Parasit an seinem Opfer festklebt. Je mehr Zeit Sie sich also mit der Entfernung lassen, desto besser kann sich die Zecke festkleben.
  • Nicht drehen!
    Zecken haben kein Gewinde. Ruckartiges Ziehen ist ebenso wenig hilfreich.
  • Hilfe in Anspruch nehmen
    Zecken an schwer erreichbaren Stellen von einer zweiten Person entfernen lassen.
  • Keine Flüssigkeiten verwenden
    Auf Benzin, Nagellackentferner, Alkohol, Öle etc. verzichten. Damit lösen Sie die Zecke nicht, sondern erhöhen nur das Risiko einer Übertragung gefährlicher Erreger. Nach Entfernung die Einstichstelle mit Jod behandeln.
  • Was tun bei Entzündung?
    Die Einstichstelle rötet sich, schwillt an, schmerzt oder wird heiß? Ab zum Arzt! Gleiches gilt bei grippeähnlichen Symptomen.

Was tun, wenn der „Kopf“ stecken bleibt?

Bei einer Zeckenentfernung ist es durchaus möglich, dass ein Teil des Tieres in der Haut stecken bleibt. Dabei handelt es sich in der Regel aber nicht um den Kopf des Tieres, sondern einen Teil des Stechapparates, durch den keine erhöhte Ansteckungsgefahr besteht. WICHTIG: Wenn Sie sich unsicher sind, suchen Sie bitte einen Arzt auf!

Entfernte Zecken richtig entsorgen

Zecken sollten sicher getötet werden, ohne dass der Mensch dabei mit Körperflüssigkeiten des Tieres in Kontakt kommt. Am wirkungsvollsten ist das Zerdrücken von Zecken mit einem glatten festen Gegenstand, wie beispielsweise einem Glas. Das Herunterspülen in der Toilette hat sich hingegen als ungeeignet erwiesen. Denn es wurde nachgewiesen, dass Zecken eine geraume Zeit im Wasser überleben.